Verkehrssicherung: Schulungsverpflichtung nach MVAS 99
mit Ausblick auf die Neufassung der RSA / ZTV-SA und auf das künftige MVAS

von Dr. Rolf Gehlen, Verlagsleiter MORAVIA Verlag Wiesbaden

 

5 Prüfung/Zertifizierung


Manche Veranstalter reden im Zusammenhang mit der Ausstellung des Schulungsnachweises einer Abschlussprüfung das Wort. Das ist irreführend. Kein Veranstalter kann zwar daran gehindert werden, einen Test schreiben zu lassen nach Art "Testen Sie Ihr Wissen". Eine Prüfung als Voraussetzung zur Vergabe des Qualifikationsnachweises ist jedoch unzulässig. Im übrigen hat der BMVI eine Zertifizierung oder Notifizierung dieses Nachweises als "nicht gerechtfertigten Aufwand" abgelehnt. Vor diesem Hintergrund ist auch ein von einzelnen Veranstaltern verwendeter Begriff wie "anerkanntes Zertifikat" gegenstandslos, denn Kriterien für eine "Anerkennung" (oder auch "Nichtanerkennung") gibt es nicht.

Ebenso wenig gibt es "zertifizierte Referenten", jedenfalls nicht zum Thema "Sicherung von Arbeitsstellen", denn es gibt wie beim Zertifikat auch hier keine Stelle, die Referenten zertifiziert - wobei offen bleibt, ob "zertifiziert" tatsächlich einen objektiv höheren (messbaren) Zugewinn an Qualität bedeuten würde - einmal abgesehen davon, dass die meisten der von seriösen Veranstaltern eingesetzten Referenten ohnehin über z.T. mehr als 10-jährige Erfahrungen als Seminarleiter mit noch längerer Berufserfahrung im Bauwesen verfügen. Hier zu "zertifizieren" hieße dann wirklich Eulen nach Athen tragen.

Es scheint jedoch, als werde hier  - wieder einmal - mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Ohne nähere Belege wird dann von Leuten, die man vergeblich in den Seminaren sucht, leichtfertig über "Kaffeetrinkerseminare" schwadroniert, in denen vermeintlich unqualifizierte Referenten ihr Unwesen treiben. Dabei können sich gerade die seriösen Anbieter, die den Schulungsmarkt weitestgehend bestimmen, eine minderwertige Qualität ihrer Schulungen aus nahe liegenden Gründen gar nicht leisten - wer solches tut, hat am Markt keine wirkliche Chance. Hier sind wir in bestem Einvernehmen mit dem BMVI, der "unseriösen Anbietern mittelfristig keinen Erfolg einräumt" (Einführungserlass zum MVAS 99). Dass es unseriöse Anbieter gibt mag wohl sein. Wir selbst finden nicht selten von uns verfasste Seminarbeschreibungen und Inhalte wortwörtlich auf den Internetseiten von Wettbewerbern wieder. MORAVIA Akademie setzt jedenfalls weiterhin auf Transparenz und vor allem auf Qualität. Bislang sind wir damit gut gefahren.

ZTV-SA Bestandteil des Bauvertrages sind. Ein Unternehmen, dass keinen geschulten Verantwortlichen benennen kann, kann somit bei der Auftragsvergabe unberücksichtigt bleiben. Bund und Länder haben, wie bereits mehrfach betont, die ZTV-SA für ihre Straßen eingeführt und den Gemeinden empfohlen, ebenso zu verfahren. Es handelt sich aber nur um eine Empfehlung. Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung liegt es im Ermessen jeder einzelnen Kommune, ob sie die ZTV-SA zum Gegenstand des Vertrages machen oder nicht. Dass inzwischen in aller Regel auch von den Kommunen als Voraussetzung für eine Auftragsvergabe eine Schulung nach MVAS verlangt wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber niemand, ganz gleich, welche Tätigkeiten er auf einer Arbeitsstelle ausführt, muss im rechtlichen Sinne eine Qualifikation gemäß MVAS vorweisen. Unter diesem Aspekt ist das MVAS kaum mehr als ein - wenn auch altbewährtes - Druckmittel des AG gegenüber dem AN: Keine Qualifikation nach MVAS - kein Auftrag.

 

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